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Adventsandacht

Nachricht 25. November 2020

„Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist!“ (Lukas 19,10)

Jedes Jahr aufs Neue zieht es uns zur Krippe. Zu den vertrauten Worten der Weihnachtsgeschichte und den Liedern, die wir schon als Kinder gesungen haben. Es liegt ein Glanz auf diesen Tagen. Eine Sehnsucht, die unser Herz anspricht.

In diesem Jahr ist es das „Fürchtet Euch nicht“ der Engel, das ich neu höre. „Fürchtet Euch nicht“, bekommen die Hirten auf dem Feld in ihre dunkle, kalte Nacht hineingerufen. „Fürchtet Euch nicht“: Diese Botschaft lässt auch mich durchatmen, richtet mich auf – gerade in diesen schwierigen Winterwochen, in denen wir nicht so zusammenkommen können wie gewohnt.  

Meine Hoffnung und meine Sehnsucht richten sich auf das Kind in der Krippe. Auf den, zu dem ich kommen kann mit meinen Sorgen und meiner Angst.

Eine Geschichte erzählt von der Verwandlung, die sich dort ereignen kann:

Ein kleiner Junge besucht um die Weihnachtszeit seinen Opa und schaut zu, wie der Opa Krippenfiguren schnitzt. Beim Zuschauen wird der Junge irgendwann müde, legt den Arm auf den Tisch und schläft ein. Im Traum werden die Figuren lebendig und er ist mitten unter ihnen. Er geht mit in den Stall von Bethlehem und schaut das Jesuskind an. „Ich möchte gerne drei Dinge von dir haben“, sagt das Jesuskind. Und der Junge sagt eifrig: „Meinen neuen Mantel, meine Eisenbahn, mein dickes Märchenbuch mit den glänzenden Bildern?“ „Nein“, erwidert das Jesuskind, „das brauche ich nicht. Ich möchte von dir etwas anderes haben! – Schenke mir deine letzte Mathearbeit!“ sagt das Jesuskind leise. Der Junge erschrickt: „Da hat doch der Lehrer ‘mangelhaft’ daruntergeschrieben.“ „Eben deshalb will ich es haben. Bringst du mir in Zukunft alles, wo ‘mangelhaft’ darunter steht?“ „Gern“, sagt der Junge. „Und dann möchte ich zweitens von dir deinen Teebecher!“ „Aber den habe ich fallengelassen und zerbrochen!“ „Magst du mir in Zukunft alles bringen, was in deinem Leben zerbrochen ist?“ fragt das Jesuskind. „Und nun mein dritter Wunsch: Bringe mir noch die Antwort, die du deiner Mutter gegeben hast, als sie dich nach dem Teebecher gefragt hat.“ Da weint der Junge und schluchzt: „Da habe ich doch gelogen, er wäre mir heruntergefallen. In Wahrheit war ich wütend und habe ihn absichtlich auf den Boden geworfen.“ „Versprichst du mir, dass du mir in Zukunft deinen Trotz, deine Lügen, das Zerbrochene und das Mangelhafte bringst, damit ich dich trösten und aufrichten kann?“

Da wacht der Junge auf und versteht, was die Krippe bedeutet und warum Gott Mensch geworden ist: Damit wir einen Ort haben, an dem Jesus all das Mangelhafte und Zerbrochene heilen und verwandeln kann.

Vieles ist in diesem Jahr anders. Und doch fällt die Weihnachtsbotschaft nicht aus, weil es Angst und Sorge gibt. Sondern gerade deswegen und dann „erst recht“ wird die Geburt Jesu verständlich. Das „Fürchtet Euch nicht“ der Engel fällt mitten hinein in die Anfragen und Herausforderungen unseres Lebens. Es will uns aufrichten, frei machen von Ängsten, damit wir vertrauensvoll in die Zukunft blicken können.

Möge die Botschaft der Engel Sie durch diese Wochen tragen und der Glanz, der von der Krippe ausgeht, sich auch auf Ihr Leben legen.

Gott segne Sie

Ihre Pastorin Alexandra Powalowski